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29. September - Den Ernstfall geprobt

Bild: MeyerOstfriesische Gefahrgutzüge üben in Etzel

ETZEL/MAG – Ein Verkehrsunfall mit einem Gefahrguttransporter, das ist ein Szenario, vor dem alle Feuerwehrleute Respekt haben. Und genau das war eines der Szenarien, die sich der Arbeitskreis „Einsatzplanung“ vom Gefahrgutzug Wittmund für die Übung der ostfriesischen Gefahrgutzüge ausgesucht hatte. Austragungsort waren die Straßen rund um das Kavernengelände in Etzel.

Im Vorfeld hatte die Bürgerinitiative Lebensqualität Horsten-Etzel-Marx darüber spekuliert, ob die Übung im Zusammenhang mit den Kavernen, bzw. den Kavernenbetreibern stattfindet. Jedoch konnte man bei den Übungsszenarien feststellen, dass es nicht darum ging eine Katastrophe bei den Kavernenfeldern zu simulieren, sondern um die Einsatzkräfte darauf vorzubereiten, wie sie mit gefährlichen Stoffen bei Unglücksfällen umgehen.

Übungsbeginn war am vergangenen Sonnabend um 9:22 Uhr. Die ersten Fahrzeuge waren bereits um 6:00 Uhr unterwegs. Die Feldküche sogar noch früher.

Beim ersten Übungsszenario nahm man an, dass ein Zugfahrzeug mit Tankanhänger und ein Kleintransporter mit offener Ladefläche kollidierten. Dabei wurde der Tankanhänger beschädigt.

Die Gefahrgutzüge Norden und Sandhorst trafen am Unglücksort ein. Unter schwerem Atemschutz und mit CSA-Anzügen (Chemikalienschutzanzüge) ausgestattet machten sich zwei Feuerwehrleute ein Bild von der Lage, zudem wurde eine Sicherheitszone sofort abgesperrt. Auf der Ladefläche des Transporters waren durch den Unfall die schlecht gesicherten Fässer mit Gefahrgut umgefallen und leckgeschlagen. Durch massive Beschädigungen am Tank und den Fässern traten diverse Stoffe aus und gelangten ins Gewässer. Der Fahrer sowie dessen Beifahrer saßen in ihrem Führerhaus fest, ein Ersthelfer lag verletzt am Straßenrand, ein weiterer schwer verletzt unter dem Transporter.

Die Aufgabe der Gefahrgutzüge bestand darin die Menschenrettung einzuleiten, die Gefahrgüter zu sichern und leckgeschlagene Behälter zu schließen. Auslaufende Stoffe konnten in Auffanggefäße umgepumpt werden. Die undichten Stellen des Tankwagens wurden mittels Holzpflöcken abgedichtet.

Bei dem zweiten Gefahrgutunfall hatte ein Saugwagen im Vorfeld Salpetersäurehaltige Flüssigkeit abgesaugt. Durch Unachtsamkeit wurde ebenfalls Natronlauge mit abgesaugt.

Beide Stoffe reagieren unter Wärmeeinwirkung miteinander und bilden Nitrose Gase. Der Überdruck im Tank ließ ein Ventil sowie einige Schweißnähte reißen. Dabei wurden herumstehende Personen durch das ätzende Gemisch verletzt, weitere durch die Nitrosen Gase. Hier kamen die Gefahrgutzüge aus Leer und Emden zum Einsatz. Unterstützt wurden sie durch den ABC Zug aus Aurich, sowie das DRK Aurich und Emden.

Nach der Erkundung der Einsatzstelle wurde sofort mit der Errichtung einer Dekontaminationsstrecke begonnen. Alle Verletzten und Einsatzkräfte durchliefen diese Strecke beim Verlassen des Gefahrgutbereiches, um eine weitere Kontamination zu verhindern. Die Verletzten wurden dem DRK übergeben.

Weitere Aufgaben bestanden darin, Messungen durchzuführen, die Ausbreitung zu verhindern und auch darzustellen. Die Leckage konnte abgedichtet, Flüssigkeiten aufgefangen und zur Entsorgung bereitgestellt werden.

Um die Verpflegung der etwa 300 anrückenden Einsatzkräfte sicherzustellen, begann der Verpflegungszug der Feuerwehr Holtgast bereits sehr früh am Sonnabendmorgen mit der Vorbereitung von 1600 halben Brötchen und vielen Kannen Kaffee und Tee.

Bei der Mittagsversorgung kam dann die im Juli neu angeschaffte Feldküche zum Einsatz.

Da der Landkreis Wittmund in diesem Jahr mit der Umstellung der Feuerwehren auf Digitalfunk beginnt, nahm auch ein Mitarbeiter der ASDN (Autorisierte Stelle Digitalfunk Niedersachsen) an der Übung teil.  So konnten schon im Vorfeld eventuell auftretende Probleme erkannt werden. Um die Übung realitätsnah zu gestalten, hatte der Pyrotechniker Ralf Fremy verschiedene Nebelraketen gezündet. Das Schminkteam des DRK Esens und Marx konnte die Statisten der Ortsfeuerwehr Berdum mit perfekten Wunden versehen, und sie somit optimal auf ihre Verletztendarstellung vorbereiten.

Zur besseren Orientierung wurden Lotsen von den hiesigen Feuerwehren gestellt, damit die eingeladenen Gefahrgutzüge ohne große Umwege in die Bereitstellungsräume und anschließend in die Einsatzabschnitte gelangen konnten. Die Technische Einsatzleitung des Landkreises Wittmund (TEL) koordinierte und protokollierte das komplette Einsatzgeschehen.

Kreisbrandmeister Frank Gerdes bedankte sich bei den Einsatzkräften aller Feuerwehren sowie dem Deutschen Roten Kreuz für die Bereitschaft zu dieser zusätzlichen Übung. Im Großen und Ganzen zeigten sich Übungsleiter und Gefahrgutzugführer Horst Julius sowie der Kreisbrandmeister mit dem Verlauf zufrieden. Etwa sieben Monate hatte die Ausarbeitung der in dieser Form absolvierten Übung in Anspruch genommen. Gerdes betonte die Wichtigkeit einer zuverlässigen Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Gefahrgutzügen und den Einsatzkräften des DRK, verbunden mit einer guten Kameradschaft, die durch gemeinsame Übungen gewährleistet würde.

Bericht: Martina Gerdes; Bilder: Meyer, Nagel

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